Transaktionsanalyse im Alltag

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In unserem Alltag bekommen wir immer wieder die Gelegenheit an Situationen zu wachsen. Heute hatte ich diese Gelegenheit bei einem Gespräch mit einem Kollegen. Mit Achtsamkeit, als auch den Ansätzen aus der Transaktionsananalyse habe ich es geschafft, nicht in meine gewohnten Kommunikationsmuster zu fallen. In diesem Artikel soll es um die Lernerfahrungen gehen und wie wir Konflikte nutzen können, um voneinander zu lernen.

Etwas Kontext

Ich arbeite aktuell als Softwareentwickler an einer Versicherungsplattform. Wie bei jeder Software ist Testen und die Architektur von Tests für mich ein sehr wichtiger Aspekt, den ich ich bei meiner Arbeit auch immer wieder betone. Eben diese Relevanz macht mich vermutlich auch anfälliger für Konflikte in dem Bereich - ich vertrete eben eine starke Meinung.

Nun kam es, das mein Kollege und ich in einem Punkt eine andere Meinung vertraten und das auch schon eine Weile vorher per Slack besprochen haben. Schon bald merkte ich, das ich gefühlsmäßig befangen war: bestimmte Äußerungen lösten ein negatives Gefühl in mir aus: ohne es richtig steuern zu können, wurde ich innerlich verbissener was meinen Standpunkt anging und ich spürte wie Groll hochstieg. Zeit zum Anhalten!

Das Gespräch

Nachdem wir erneut darüber geschrieben haben, merkte ich das der Modus der Kommunikation(per Chat) uns zunehmend im Weg stand. Ich schlug darauf vor, auf eine Videokonferenz zu wechseln und damit hatten wir zumindest die Möglichkeit direkt miteinander zu sprechen bzw. uns zu sehen. Während des Videotelefonats gab ich meinem Kollegen die Möglichkeit, sehr ausführlich seinen Standpunkt zu erklären. Während dieser Erklärung blieben wir rein auf der fachlichen Ebene und ich habe mir unterdessen Notizen gemacht. Plötzlich sagte er “Basierend auf meinen Erfahrungen aus anderen Projekten und aus Empfehlungen sehr erfahrener Entwickler […]” - und plötzlich war es wieder da, das ungute Gefühl und der Wunsch zu sagen: “Glaubst Du ich habe etwa keine Erfahrung?”.

Den Transaktionen auf der Spur

Von Außen ist es nun leicht die Situation zu bewerten und mit ein wenig Abstand lässt sich in der Tat wenig aufregendes an der Aussage finden. Ich glaube aber hier einen wichigen Punkt entdeckt zu haben: für jeden von uns gibt es “Zündschnüre” im Alltag auf die wir reagieren sobald sie gezündet werden. Das sind unsere sensiblen Punkte, jeder hat sie in unterschiedlich ausgeprägten Formen. Sie sind höchst individuell und abhängig von unserer Prägung und den Erfahrungen die wir gemacht haben. Warum also hat mich diese Aussage so verärgert, obwohl doch auf der sachlichen Ebene etwas ganz nützliches transportiert wurde?

Als Erklärung möchte ich an dieser Stelle das Konzept der Ich-Zustände aus der Transaktionsanalyse heranziehen. Die Transaktionsanalyse ist eine von Eric Berne begründete psychologische Theorie der Persönlichkeitsstruktur. Sie betrachtet unsere Kommunikationen in Transaktionen, also einen Auslöser und eine entsprechende Antwort darauf.

Die Transaktionsananalyse geht davon aus, das wir aus drei verschiedenen Zuständen kommunizieren und je nach Stimme fällt unsere Antwort als auch unser Gefühl anders aus. Jeder von uns trägt alle drei Zustände in sich.

Eltern-Ich

Das Eltern-Ich ist der Sitz unserer übernommen Normen und Werte. Es teilt sich auf in ein “fürsorgliches” und “kritisches” Eltern Ich. Aussagen wie “Räum Dein Zimmer auf!”, “Man verlässt das Meeting nicht 10 Minuten früher nur weil man sein Kind aus dem Kindergarten abholen muss” sind Beispiele für das kritische, während “Oh du Armer, schon wieder soviele Überstunden, gibt es etwas was ich für Dich tun kann?” Aussagen des fürsorglichen sind. In der Regel adressiert das Eltern-Ich ein anderes Kind-Ich.

Erwachsenen-Ich

Für das Erwachsenen-Ich sind Zahlen, Daten, Fakten wichtig. Es ist der analytische Teil unser selbst. “Um 15:30 ist die Ferienbetreuung von Felix zu Ende - kannst Du Ihn dann von der Schule abholen?” ist ein Beispiel dafür.

Kind-Ich

Das Kind-Ich trennt sich auf in das “angepasste”, “freie” und “rebellische” Kind-Ich. Im Kind-ich sind Gefühle und Emotionen aus der Vergangenheit gespeichert. “Ja, Du hast ja Recht - ich mache was Du sagst”, “Cool, ich freue mich schon auf den Kitekurs heute nachmittag” und “Ich soll diese Schulung machen? Auf keinen Fall!” sind Beispiele für die verschiedenen Stimmen.

Spannend wir es nun, wenn diese Zustände miteinander kommunizieren. Ich mache das hier mal anhand meines Dialoges mit meinem Kollegen:

gekreuzte_transaktion Die Aussage des Kollegen hört sich eher nach einer Aussage des erwachsenen Ichs an, während ich - zumindest in Gedanken aus dem Kind Ich geantwortet habe. In der Transaktionsanalyse bezeichnet wird das als gekreuzte Transaktion bezeichnet. Im Gegensatz zu den parallelen Transaktionen, also bspw. Erwachsenen-Ich kommuniziert mit dem Erwachsenen-Ich, sind die gekreuzten Transaktionen meist konfliktbehaftet, da die initiale Botschaft eigentlich einen anderen Adressaten hatte.

Ohne Reflektion darüber hätte ich also alte Verhaltensweisen von früher verwendet, um den Konflikt von heute zu lösen. Diese Transaktionen können
zu den “Spielen der Erwachsenen” entwickelt werden - eine Serie von Transaktionen, die am Ende immer mit einem unguten Gefühl enden. Die Erkärung dessen geht über diesen Artikel hinaus und ist Teil einer Fortführung.

Das Gelernte zum Mitnehmen

Während des Gespräches bin ich mir nun meiner Reaktionen bewusst geworden und nun auch welche Teile in mir gesprochen haben. Die Erkenntnisse aus der Transaktionanalyse und die Möglichkeit innerlich “anzuhalten” und nicht zu bewährten Mechanismen zu greifen hat das Gespräch gut enden lassen und ich konnte die fachlichen Impulse mit meinen Ideen verknüpfen. Was hat mir geholfen?

Halte an, wenn negative Emotionen kommen

Meiner Ansicht nach der erste und wichtigste Schritt: Achtsamkeit. Merke wenn die negativen Emotionen kommen und lasse dich nicht von Ihnen kontrollieren. Einfach gesagt, aber in der Praxis hat jeder seine persönlichen Zündschnüre. Das zu erkennen und nicht gleich in eine Reaktion zu verfallen ist der erste Schritt. Was mir hilft: immer wieder sagen dass es nicht um mich geht, sondern um Ideen die vor uns liegen.

Frage nach

In diesem Gespräch war die interpretierte Aussage “Ich habe da einen Ratschlag von einem Experten eingeholt” mein persönlicher Triggerpunkt (das führe ich nicht weiter aus). Anstatt nun die Idee zu kritisieren, habe ich versucht durch offene Fragen den Standpunkt meines Kollegen besser zu verstehen - was möglich ist, wenn die negativen Emotionen Dich nicht kontrollieren.

  • Wie siehst du die Erfahrung des Experten im Verhältnis zu unserer Erfahrung in unserer Firma?
  • Welche Techniken sind Dir während der Entwicklung besonders wichtig?

Offene Fragen (die, auf die nicht mit ja/nein geantwortet werden kann) helfen uns in solchen Gesprächen den Gegenüber besser zu verstehen und sind für mich ein Wechsel von der Diskussion in den Dialog. Hier haben diese Fragen mir geholfen zu verstehen, das wir mit unserer Meinung gar nicht soweit auseinanderlagen - im Gegenteil, wir hatten sogar ziemlich viele Gemeinsamkeiten!

Transaktionsanalyse im Alltag

Konflikte sind ein wertvoller Bestandteil unseres Arbeitsalltages. In Stand-Ups, Reviews und Plannings können wir mit der TA Bewusstsein für unsere Reaktionen schaffen und mit guten Fragetechniken unsere Diskussion zu einem Dialog werden lassen. Dieser Artikel hat nur einen sehr kleinen Einblick in die TA gegeben. Wenn Ihr mehr erfahren möchtet, findet Ihr viele Informationen im Netz, gerne könnt Ihr mich auch kontaktieren.

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